Samstag, 22. August 2015

Tag 5 - Madeleine und Col du Grand Cucheron

Ich bin ein wenig im Rückstand. Also arbeite ich die Tage jetzt auf. Fahrradfahren macht halt einfach zu viel Spaß. Und abends kniffeln und dabei Wein aus dem Kanister trinken. Wahrscheinlich komme ich deshalb immer schlechter aus dem Bett. Naja. Wie dem auch sei: zurück zur Sache.

Tag 5 begann mit der Verheißung, dass das Wetter besser werden sollte. Also haben wir uns den Madeleine vor die Brust genommen, liegt ja direkt auf der Gegenseite von unserem Hotel. Wecker auf 7:45, 8:05 am überfüllten Tisch sitzen und alles in einen reinschaufeln, was das Essen hergibt - wir haben das Gefühl, dass wegen uns die Croissants limitiert wurden. An diesem morgen verspachtelten wir drei ein gutes Dutzend...  Nun ja. Das Wetter hielt sich, die Wolken, die wir morgens sahen, waren rechts vom Madeleine und links vom Madeleine. Die Auffahrt selbst war und sollte wolkenfrei bleiben. 

Wie ist der Madeleine nun? Gut! Schönes Stücken Berg und sehr rhythmisch zu fahren, durchgehende Prozentzahlen und an diesem morgen war auch nicht allzu viel los. Also rauf da. Aus La Chambre kommend fahren wir direkt die ersten Kehren hinauf. Dabei wurde ich von jemandem angesprochen, der die Straße runter lief und seinen Bruder suchte, komische Sache. Da ich mit meinem 5 Jahre zurückliegenden Schulfranzösisch sowieso nur die Hälfte verstand und kräftig am Pusten war (die Prozente machten sich doch bemerkbar - die vom Wein und von der Steigung), quetschte ich ein schönes "Je ne comprends pas" heraus und fuhr unbeirrt weiter.

Es folgte ein kurzes, gerades Stück, doch die nächsten Kehren kamen direkt - immerhin macht man auf dem Madeleine knappe 1.500 Höhenmeter. Das sollte erst von der gesamten Anfahrt von Saint-Michel-de-Maurienne über Télégraphe hinauf zum Gallier geknackt werden! Überall sieht man Werbung für Käse und der Wille anzuhalten, sich einen leckeren Beaufort zu besorgen und den Berg links liegen zu lassen ist schon ziemlich verlockend. Aber darum bin ich ja nun mal nicht hier unten. 

Also weiter rauf da. Wir schrauben uns weiter nach oben bis nach St. Francois-Longchamp, einem netten kleinen, urigen Dörfchen, dass sicher auch ein nettes Örtchen wäre, um zu verweilen. Zumindest kam es mir so vor. Und allemal besser als das, was noch kommen sollte. Denn nach diesem urigen Longchamp kam das touristische Longchamp. Gondel um Gondel, Lift um Lift, Bettenburg um Bettenburg. Nicht wirklich schön, aber gut, der Wintersport ist halt die Haupteinnahmequelle der Leute. Was soll man machen? Umso beeindruckender war der Ausblick auf die Berghänge und die tief hängenden Wolken, mit denen man mittlerweile auf Augenhöhe war. Irgendwie ein lustiger Anblick, nach links zu gucken und eine Wolke 500m weit entfernt vor sich hinwabern zu sehen... Leider sind das solche Ausblicke, die man weder über Fotos noch über Bilder wirklich vermitteln kann. Zumindest ist es das, was ich so erlebt habe. In der Realität ist alles viel beeindruckender, selbst, wenn die Bilder schon gut sind!

Oben auf der Passhöhe angekommen drehte ich um und fuhr meinen Kollegen entgegen, knappe 3 Kilometer. Das schöne an dem letzten Stück vom Madeleine ist, dass es relativ gut einsehbar ist und man bergab ein bisschen holzen kann, bergauf betrachtet ist es ziemlich knackig zu fahren, vor allem, wenn man schon 17 Kilometer in den Beinen hat... Oben angekommen die obligatorischen Fotos und ab auf die Abfahrt.

Leider hatte Philipp einen Platten, was ich nicht mitbekam. Wobei. Doch. Erst ist der bessere Abfahrer, ich ziehe in der ersten Kurve an ihm vorbei und freue mich wie ein Schnitzel. Wie ich später erfuhr war das der Platten. Reinhard hatte dann noch Probleme mit dem Hinterrad und unten in La Chambre durfte ich ein wenig warten. Doch die Abfahrt ist wirklich schön! Definitiv zu empfehlen! Lange Geraden, gut einsehbare Kurven - wenn der Verkehr nicht wär...

Die beiden Kollegen machten Feierabend, Philipp hatte mit dem Trainingsrückstand zu kämpfen, und ich erkundete noch das Maurienne-Tal. Natürlich nicht ohne Ziel: der in STRAVA gefundene Col du Grand Cucheron, Verbindung vom Mauriennetal rüber nach Chamoux-sur-Gelon/La Rochette sollte das Ziel sein. Die Anfahrt war schon gespickt mit Hügeln und Gegenwind und der Berg an sich war auch nicht von schlechten Eltern. Aber es ging. Durch einen Wald, eine lange, flach ansteigende Gerade die zum Bolzen anregt und viele kleine, schöne und nett anzusehende Dörfer machen diesen Berg wirklich interessant! Die Menschen stehen auf der Straße und unterhalten sich, spielen Boule, gärtnern und grüßen freundlichen (man stelle sich dies mal in Deutschland vor...) und eine fordernde Auffahrt machen das ganze wirklich schön! Zur rechten erhebt sich das Bergmassiv, man hat Blick auf einen See, einfach herrlich. Leider war es oben sehr windig und kalt und so nahm ich schnell die Abfahrt wieder in Angriff.

Habe ich erwähnt, dass die letzten Kehren zum Berg sehr lang sind (1-2km), fast gerade und guten Asphalt aufweisen? Macht wirklich Laune da runter zu knüppeln! Leider war ein Laster mit Holzstämmen vor mir, hab genug Horrorfilme gesehen, um zu wissen, wie sowas endet. Also vorbei und den selben Weg wieder zurück zum Hotel. Ende vom Lied: 108 Kilometer, fast 6 Stunden reine Fahrzeit und knapp 3.000 Höhenmeter.

Fahren durch die Berge ist einfach was anders als im Ruhrgebiet rumzueiern. Ich mag das Ruhrgebiet. Aber das hier ist einfach eine andere Welt. Eine andere Mentalität den Radfahrern gegenüber. Hier werden die Radfahrer geliebt. Respektiert. Ich wurde nicht einmal auf der Straße angehupt, geschitten, beleidigt oder sonst wie traktiert. Einfach klasse.

Montag, 17. August 2015

Tag 4

Gestern war nicht viel los. Schlechtes Wetter. Kollege hatte Probleme mit dem Sattel, den Rest erspare ich euch. Haben den Tag dann genutzt, um nach Grenoble zu fahren und ein wenig Kultur zu tanken. Kaum verlässt man das Maurienne-Tal kommt die Sonne raus und das Wetter wird schön. Herzlichen Dank auch, liebes Wetter!

Seitdem wir am Freitag eingetroffen sind, hören wir immer wieder "Morgen wird das Wetter besser!", nur, die trübe Suppe schafft es nicht über die Berge und bleibt hier hängen. Also haben wir uns entschlossen, dass wir nach Chateau-Ville-Vieille fahren. Oder in die Nähe. Montagmorgen ging der Wecker also um 6 Uhr, 6:30 Frühstück, 7:30 im Auto, ab nach Ville-Vieille. Durch den Frejus-Tunnel. Der einfach nur schweineteuer ist. Aber gut. Kaum in Italien angekommen, kam die Sonne raus. Über den Montgenèvre ging es dann wieder nach Frankreich. Der Pass ist nicht zu empfehlen zum Fahrradfahren, nur Autos. Soweit das Auge reicht.

Rein nach Briançon, rauf auf den Izoard und wieder runter. Sah unspektakulär aus, auch die Casse Deserte. Hat mich nicht gejuckt. Aber dazu später mehr. Kurz vor Ville-Vieille Parkplatz gefunden, alles zusammengebaut. Und los ging es. Nach 4 Kilometern begann der Anstieg zum Agnel. 20 Kilometer, für mich Rekord, sowohl, was die Länge des Ansteigen angeht als auch die absolute Höhe. Und ja, wahrscheinlich auch die Hm-Zahl am Stück. Definitiv.

Der Berg war am Anfang öfters recht steil, zog sich aber dann eigentlich nur noch wie ein Kaugummi. Aber immerhin hatte man dabei einen herrlich Ausblick. Murmeltiere, Ziegenherden, Kühe, Bäche und eine schöne Berglandschaft. Alles, was das Herz begehrt (im Gegensatz zum mittelmäßigen Hotel, das WLAN existiert zwar, ist für das Hochladen von vielen Fotos zu schwachbrüstig...), wird erfüllt. Das Wetter war bombig, auf den letzten Kilometern wurde es aber kalt. Richtig kalt. Oben angekommen war meine erste Amtshandlung das Öffnen des Rucksacks und das Anziehen nach dem Zwiebelprinzip: Je mehr, desto besser!

Hatte ich noch nach 5 Kilometern mein Windstopper-Unterhemd ausgezogen und zum trocknen an den Rucksack gebunden, legte ich auf dem Agnel einen erstklassigen Striptease hin: Unterhemd wieder an, Trikot an, Windweste drüber, Langarmtrikot und dann noch die kleine Regenjacke. Und lange Handschuhe! Laut Garmin waren oben knapp 7 Grad. Während des Anstieges waren fast 30. Und da ich noch auf meine Mitstreiter warten musste, war es besser, sich dick einzupacken.

Nachdem wir wieder vereint waren, ging es bergab, wobei ich mich auf halber Strecke wieder entpellte, da es viel zu warm war!

Am Parkplatz wieder angekommen entschied sich der Dritte im Bunde, nicht mit auf den Izoard zu kommen. Zu groß der Trainingsrückstand. Mit Reinhard also rauf auf den Izoard. Die ersten 4 Kilometer waren toll, dann kommt dieses kleine, schnuckelige Dorf. Und eine Rampe von 8-10%. Die erst wieder aufhörte, als die Casse Deserte erreicht war. Bis dahin ein einziger Kampf gegen sich selbst und das Verlangen aufzuhören. Der Puls juckelte durchgehend irgendwo zwischen 160 und 170 rum. Herrlich. Doch als die Casse Deserte erreicht war, ging mir das Herz auf. Fotos können den Anblick einfach nicht wiedergeben. Punkt. Geht nicht. Macht es selbst.

Nach der ganzen Kraxelei mit so einem Anblick belohnt zu werden, das ist schon aller Mühsal wert. Zumal es kurz wieder bergab geht! Philipp kam inzwischen mit dem Fahrrad nach und machte Fotos und so wurden die letzten 2 Kilometer zum Spießrutenlauf zwischen ausruhen und für die Fotos noch mal alles geben. Oben auf dem Izoard angekommen wurde erstmal das obligatorische Foto gemacht und die Sachen verstaut. Habe auch ein schönes Panoramafoto gemacht. Kann ich gerade aber leider nicht hochladen. Die Rückfahrt war unspektakulär, aber kaum waren wir im Mauriennetal, war es wieder zugezogen. Aber besser! Das lässt hoffen...

P.S.: Ich denke, in Ermangelung an Fotos, werde ich am Ende wohl eine Kompilation hochladen - das alles hinterher in den einzelnen Posts zu machen... Dafür bin ich dann wohl doch zu faul.

Samstag, 15. August 2015

Tag 2 oder: "Wer hat gestern seinen Teller nicht aufgegessen?!"

Die Wetteraussichten für heute waren nicht gut. Regen. Ab Mittags. Vormittags könnte man also fahren, dachten wir uns. Nachdem wir gefrühstückt hatten, saßen wir um 10:21 auf dem Rad. Geplant waren: Col du Mollard von der Nordrampe her und La Toussire. Die mythischen Berge wollten wir uns für die schöneren Tage aufheben. Das Wetter war... mäßig, aber nicht beschissen, es fisselte leicht. Kein Grund, die Planungen umzustoßen. Und so zogen wir gen Villargondran und wollten den ersten HC-Berg des Urlaubs erklimmen. Was wir auch taten. Aber eklig war er. Verdammt eklig. Aber nur ab Albiez-le-Jeune. Vorher ein Traum. Eine Kehre jagte die andere, recht gleichmäßige Steigung. Perfekt also zum Einstieg! Durch einen Wald fahrend kriegten wir auch nicht wirklich etwas vom Regen mit.

Dann wurde es allerdings ungemütlich. Immer wieder Abfahrten, um dann wieder die verlorenen Höhenmeter gutzumachen, exponierte Lage und somit dem Wetter vollkommen ausgeliefert, aber auch die zunehmend sinkende Temperatur war nicht schön. Der Mollard ist eine relative Augenweide, leider war alles ziemlich verhangen. Was aber auch den Reiz ausmachte. Das war schon echt schön, oben anzukommen, aber leider war nichts mit genießen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir schon allesamt vollkommen durchgenässt. Und dann mussten wir jetzt nach unten. Also schnell noch alles angezogen, was wir hatten (lange Handschuhe, 2. Regenjacke...) und ab ging's.

An diesem Zeitpunkt war klar, dass wir von der eigentlichen Planung abrücken werden. Also galt nur eine Devise: Möglichst schnell nach Hause. Die Abfahrt war eine Tortour. Kalt. Beschlagenene Gläser. Schmerzen in den Händen vom Bremsen - es war ja alles nass, da war wenig mit "laufen lassen". Und Gegenverkehr. Eklig! Auch die Gegensteigungen der Abfahrt waren eigentlich nicht so toll, aber ich habe sie geliebt. Ein wenig warm werden ist schon die halbe Miete! Aber leider auch nur von kurzer Dauer...

Reinhard hatte kräftige Probleme mit seinem Hinterrad. Wollte er reparieren. Wusste ich nicht. Also stand ich Minute um Minute unten beim Ortseingangsschild von Saint-Jean-de-Maurienne und wusste nicht, wo Reinhard und Philipp waren. Rechnete schon mit dem Schlimmsten. Das war Gott sei Dank nicht der Fall. Das Hinterrad von Reinhard eierte nur höllisch und er konnte nicht mehr als 20km/h fahren. Die Rückfahrt lief wie in Trance ab.

Angekommen: Fahrräder schnell wegschließen. Raus aus den Klamotten, ab unter die Dusche. Nicht zusammen. Glück gehabt. Aber als erster duschen! Wenn im Sommer beim Duschen die Finger und Füße kribbeln wegen der Wärme, dann weißt du, dass es wirklich kalt war. Laut Garmin knappe 6 Grad auf dem Mollard.

Dafür gönnen wir uns nachher was leckeres zu essen. Und einen Kanister Wein. Hauptsache nicht krank werden. Und hoffen, dass das Wetter besser wird. Ab Montag ist Sonne in Aussicht. Endlich.

Freitag, 14. August 2015

Anreise und ein kleiner Ausritt

Früh aufstehen war noch nie mein Ding. Nie. Immer Probleme mit gehabt. Aber als heute morgen um 3:30 der Wecker ging, saß ich senkrecht im Bett. Auf geht's! Bis wir im Auto saßen und sich das Auto bewegte - samt kleiner Retour, um vergessene Medikamente einzusammeln - war 4:30. Die Fahrt war ereignislos. Was soll man schon groß dazu sagen? Wir waren zu dritt, alle zwei Stunden wurde gewechselt, samt kleineren Pausen. 950km von Bergkamen nach Sainte-Marie-de-Cuines, am Fuße des Glandon, gegenüber von La Chambre, dem Beginn des Aufstieges zum Col de la Madeleine. Also mitten im Geschehen, da, wo die große Geschichte weht. Der Mythos ist quasi zum greifen nahe. Überall Fahrradfahrer, Schmuck von der Tour. 

Angekommen sind wir gegen 15:30. Abgesehen von einer kleinen Auseinandersetzung mit dem Mautbezahlsystem der Franzosen lief alles easy. Angekommen erstmal das Wichtigste erledigt: Eingecheckt, Schlüssel zum Fahrradschuppen geholt, Fahrräder zusammengebaut. Prompt fing es an, wie aus Eimern zu gießen. Scheiße. Die Stimmung sank. Aber dermaßen. Und die Müdigkeit machte es nicht besser. Definitiv nicht. Mit mieser Laune die Fahrräder verstaut und das Zimmer begutachtet. 

Das Zimmer... Wie beschreibe ich es am besten... Wenn drei Kerle mit drei Koffern, tausend Sachen, Protein- und Kohlenhydratsachen in einem solchen Zimmer Platz haben, dann fresse ich einen Besen. Zwischen Bett und Wand waren ca. 20cm Platz. Von Fenster zu Bett 30cm. Toilette winzig, nicht belüftet. Dusche... Philipp macht gerne Krafttraining, der hat sich etwas eingeengt gefühlt. Auch nicht gerade riesig. Und wir wollten unsere Sachen nach den jeweiligen Touren waschen und irgendwo aufhängen. Die Probleme begannen also kaum, da wir im Laden waren. Verdammt. Scheiß Wetter, scheiß Zimmer. Scheiß Wetteraussichten.

Ich ging runter um mit den Besitzerinnen auszuhandeln, ob es möglich wäre, die Sachen irgendwo aufzuhängen. Ich bin der leidige, der noch einigermaßen Französisch kann. Mit Händen und Füßen verstanden wir uns und zunächst wurde uns die Wäschekammer zur Verfügung gestellt. Bis wir einfach ein neues Zimmer bekommen haben. Das Zimmer für körperlich benachteiligte Menschen. Riesiges Bad, dreimal so viel Platz. Juchhei! 

Währenddessen kam die Sonne raus, wir staunten nicht schlecht. Im Supermarkt nebenan wurde direkt der erste Großeinkauf vollzogen: Baguette, Käse, Wein. Mehr braucht der Mensch nicht! Okay, noch billiges Besteck, Teller, Schüsseln, damit wir auch außerhalb des Frühstücks was zu uns nehmen können.

Die Sonne kam raus, ein erster Snack wurde genommen. Irgendwie juckte es langsam in den Beiden und ehe wir uns versahen, saßen wir auf den Beinen. Ich hatte eine kleine 25 Kilometer Tour im Kopf. Philipp und Reinhard habe ich wohl weißlich verschwiegen, dass es die Serpentinen von Montvernier hochgeht. Ups. Tut mir nicht leid! Philipp stönte, aber auch er kraxelte das Ding hinauf und war hellauf begeistert.

Was soll man zu diesem architektonischen Wunder sagen? Man fährt unten in den Berg rein und dann jagt eine Kehre die nächste. Ehe man es sich versieht, hat man auf 2,5 Kilometern gute 350 Höhenmeter hinter sich gebracht. Das schöne: Man hat bei der Auffahrt einen Blick auf die unteren Kehren, kann seinen Kollegen also beim Kraxeln zusehen! Kurz vor Ende kommt dann eine Durchfahrt durch eine Schlucht, die noch einmal richtig, richtig schön ist! Und auch die noch von der Tour vorhandenen Schriftzüge, vor allem "YATES YOU CAN!" lassen ein unbeschreibliches Feeling aufkommen.

Morgen soll das Wetter nicht so pralle werden. Schauen wir mal, geplant sind Glandon, Croix de Fer und Mollard. Wir sitzen jetzt hier, studieren noch ein wenig Karten, haben gegessen und genießen den Wein. Reinhard hockt, nachdem er stundenlang sein Garmin gesucht hat, über Garmin Connect und versucht seine Daten zu synchronisieren. 

Hoffentlich hält das Wetter morgen.

P.S.: Fotos würde ich gerne hochladen, aber das Netz ist... Nicht sehr schnell. Leider. Werden aber nachgereicht. Sicher!






Sonntag, 9. August 2015

Sauerland eXtreme

Gestern gegen 4:45 klingelte der Wecker. Erstaunlich schnell war ich aus dem Bett, hüpfte unter die Dusche und machte mich fertig. Neben einem Nuss-Müsli habe ich mir bereits am Abend zuvor einen Smoothie zubereitet, der aus folgenden Ingredienzien bestand:


  1. 6 Datteln
  2. 1 Banane
  3. 1 Zitrone
  4. 3 Esslöffel Maltodextrin 6
Schmeckt gut und gab mir einen kräftigen Zuckerschub. Das Maltodextrin 6 liefert langkettige Zucker an den Körper, die dieser über die Zeit hinweg abbauen kann. Also perfekt für die lange Einheit. Ebenso befüllte ich meine beiden Trinkflaschen, neben isostar Hydrate & Perform mit der Geschmacksrichtung Zitrone - schmeckt also ein wenig sauer, was eine super Abwechslung zu dem ganzen süßen Zeug ist -, auch mit je einem Esslöffel Maltodextrin 6 und Maltodextrin 12. In letzterem sind auch kurzkettige Zucker vorhanden und ermöglichen es dem Körper diese schnell aufzunehmen und dem Körper hinzuzugeben. Nähere Infos zu dem Teufelszeug, dazu später mehr, gibt es hier.

Nach dem Essen ins Auto und los geht's. Am Abend zuvor schon das Fahrrad soweit auseinander gebaut, musste also nur noch ins Auto geladen werden und gegen 6 Uhr war ich am Start in Dortmund-Aplerbeck. Fahrrad zusammengebaut. Pulsgurte befeuchtet. Kollegen gesucht. Gegen 6:20 waren wir vereint und standen am Ziel. Nach 50 Kilometern war in Delecke die erste Kontrolle. Ich muss gestehen, so im Nachhinein kann ich mich daran kaum erinnern. Ich weiß nur noch, dass es nass war. In der Nacht hatte es geregnet und gewittert und die Straßen waren alle nass. Da wir im zweiten Startblock waren und gegen 6:45 auf die Straße losgelassen wurden, war es auch kein Problem in eine größere Gruppe zu hüpfen. Und so erreichten wir die erste Kontrolle nach 1:39:03. Und Himmel hilf: an der Kontrolle war vielleicht die Hölle los. Hunderte Menschen drängten sich, stürzten sich auf das reichhaltige Buffet und futterten, was das Zeug hielt! Die klugen Leute nahmen, was nötig war, und schwangen sich wieder auf's Rad. Es kamen ja auch immer mehr Leute da. Da merkte man erstmal, wie viele Menschen eigentlich mitgemacht haben.


Direkt am Möhnesee gelegen. Schöner Ausblick. Immer leicht ansteigend. Aber in einer Gruppe merkt man das kaum. Aber nach der Kontrolle ging es los. Jetzt begannen die Berge. Ein Berg nach dem anderen. Bis Kilometer 85,5 bei Wehrstapel und der dortigen nächsten Kontrolle kamen die Sauerlandstraße von Niederbergheim aus, die Auffahrt  nach Hirschberg und, direkt hinter Hirschberg beginnend, die Bermecke oder wie bei STRAVA heißend, der "Plackweg Climb", hier von links nach rechts die Diagramme. Nicht steil, aber lang:



In Wehrstapel war dann die nächste Kontrolle und auch hier tummelten sich die Menschen. Des Weiteren begann an dieser Stelle meine Eigenversorgung mit Gel-Packs. Was mir auch gut geholfen hat, mir aber später noch zum Verhängnis werden sollte. Neben einer Banane und ein paar Schnitten wurde auch die erste Flasche hier aufgefüllt. Und so konnte ich mich an dieser Stelle konnte ich mich durchringen und mal ein Foto machen, damit ihr einen kleinen Eindruck davon bekommt:




Das Wetter war zu dem Zeitpunkt auch nicht wirklich der Burner. Es war recht warm, knapp über 20 Grad, aber durch die entstehende wärme und, wie man sieht, die Restfeuchtigkeit, wurde es auch ziemlich schwül. Es war nicht heiß. aber man hat geschwitzt wie ein Wasserfall!

Nach der Kontrolle ging es Richtung Winterberg. Das heißt: bergauf. Viel bergauf. Zunächst der Anstieg von Wehrstapel aus zur nächsten Kreuzung, von dort aus wiederum bergauf nach Berlar, leicht ansteigend nach Ramsbeck. Dort begann der Anstieg in Richtung Elpe, bevor in Siedlinghausen die lange Anfahrt zum Kahler Asten begann (mit der Kontrolle in Winterberg und den warmen Nudeln - aber dazu gleich mehr). Und hier die Profile, wie man merkt, mag ich die Seite "Veloviewer" (die Diagramme für den erst- und letztgenannten Berg sind noch nicht sichtbar):


Der Aufstieg nach Elpe - deutlich härter als die bisherigen!
Der Aufstieg nach Berlar

In Winterberg dann die große Rast. Warmes Essen. Nudeln mit Parmesan. Wie im Himmel! Zwischenzeitlich hatten sich die Wolken auch verzogen und die Temperatur stieg deutlich in Richtung der 30-Grad-Grenze. Neben warmen Essen gab es hier auch wieder Pudding, Cola, Apfelschorle und eine verdammte Bienen/Wespen-Plage. Leider haben nicht alle an den Trinkbehältern es mit dem Zudrehen so genau genommen, sodass sich im Rinnstein eine Apfelschorle-/Eisteepfütze gebildet hatte. Diese zog die possierlichen Tierchen natürlich nur noch umso mehr an. Keine Stiche, aber nervig waren sie trotzdem.


Ein freies Fleckchen gefunden und noch ein schnell ein Foto bevor das Essen verschlungen wird!
Mächtig was los hier oben, Plätze wurden zur Mangelware, aber es war ja warm und so war auch der Boden ein geeigneter Platz!

Dann ging es wieder los. Auf dem weiteren Weg wurde ich dann auf mein Quäldich-Trikot angesprochen und kam so mit Paul ins Gespräch, der dieses Jahr die Deutschland-Tour von Quäldich mitgemacht hat und mit dem ich bei STRAVA verlinkt bin. So trifft man die Leute auch mal im echten Leben und kann ein Pläuschchen halten. Natürlich nahmen wir dann auch noch die freiwillig Auffahrt zum Kahler Asten mit und ließen oben noch ein paar Fotos machen. Nach einiger Wartezeit ist das Foto jetzt online:



Der Kahler Asten war nach 6 Stunden reiner Fahrzeit und 126.3 Kilometern erreicht. Halbzeit also. Blauäugig wie ich war, dachte ich, dass der größte Teil jetzt geschafft sei und es jetzt eine Triumpffahrt werden würde. Selten habe ich mich so geirrt.

Die nächste Verpflegungsstation - allerdings ohne Stempel, also einfach nur, um uns zu versorgen (TOP!) - folgte nach Bad Fredeburg und dem Anstieg der Altenilper Straße, die ich bereits bei der RTF Eslohe in umgekehrter Richtung gefahren bin. Kurz vor Bad Fredeburg gab es auch noch einen kleinen unkategorisierten Aufstieg. Einer jener Aufstiege, die auf knapp einem Kilometer wieder 60 Höhenmeter machen, "Kackwellen" sind, aber auf Dauer richtig, richtig weh tun. Hier die Altenilper Straße:


Landschaftlich alles sehr schön und reizvoll, wenige Autos - immerhin sind wir hier "kurz vorm Bretterzaun" - doch leider fing hier das Wetter an zu kippen. Es zog langsam aber sicher zu, regnete aber nicht. Gott sei Dank. Dennoch fiel die Temperatur auf von 32 Grad wieder auf 19 Grad und ich war froh, meine Windweste dabei zu haben (einen Hoch auf meinen Rucksack!). Durchgeschwitzt, immer wieder rauf und runter, ohne Möglichkeit oben auf dem Anstieg richtig zu trocknen, hätte das auf Dauer sicher zu einer Erkrankung geführt.

Die nächste Kontrolle war in Grevenstein bei Kilometerpunkt 175. Bis dahin warteten noch 20 zackige Kilometer. "Zackig" nicht unbedingt in dem Sinne, dass es besonders schnell ging, sondern sehr wellig war: rauf nach Landenbeck über "Zum Felskeller", weiter nach Büenfeld über die L914 und schließlich von Wenholthausen in Richtung Grevenstein über die Grevensteiner Straße.




Diese Teilstrecke war wirklich schön: abgelegen, schöne Umgebung, netter Ausblick. Leider ließ der erste Punkt mir an einer Stelle das Blut in den Adern gefrieren. Wenn auf der abgelegenen Marathonstrecke von hinten ein Krankenwagen mit Blaulicht angehämmert kommt, dann wird einem schon mulmig. Hoffentlich war es keiner von uns.

In Grevenstein angekommen dann die drittletzte Kontrolle. Die mir zum Verhängnis wurde. Hier wollte ich mein letztes Kohlenhydratgel nehmen. Was ich während einer anderen Tour anscheinend schon geöffnet hatte, aber dann doch nicht zu mir genommen hatte. Mit anderen Worten: Ab diesem Zeitpunkt plagten mich Magenschmerzen, die mich auf den letzten Metern vor der vorletzten Kontrolle in Eisborn noch einmal beflügelten, Gas zu geben. Den Rest erspare ich euch.

Der Weg bis Eisborn war dementsprechend nicht nur durch die Magenprobleme weniger schön, sondern auch dadurch, dass es nun zwar tendenziös bergab ging, die Berge aber weniger wurden. Schon oben auf dem Kahler Asten dachte ich mir: "Moment. Es sind 4.000 Höhenmeter angesagt, davon haben wir jetzt in etwa 1900. Minus die 100 hoch zum Kahler Asten." Genau. Der Großteil der Höhenmeter wird auf dem Rück-, nicht auf dem Hinweg gemacht. Und so ging es insgesamt vier Mal auf Bergen der Kategorie 4 in Richtung Eisborn, wobei vor allem der Anstieg nach Eisborn ein elendiges Drecksteil war - aber nicht kategorisiert ist. Eine einzige Rampe, die vor einem aus dem Boden schießt und keine 700 Meter lang ist, aber durchschnittlich 9% hat. Mir kam es wie 19% vor. Nach 210 Kilometern und 40 Kilometern seit der letzten Rast, ohne essen und sehr wenig trinken ob der Schmerzen, eine einzige Qual. Das war auch der Punkt, an dem ich meine Kräfte verlor. Vorher habe ich mich wie ein beschissenes Duracell-Häschen gefühlt. Ab dann nur noch beschissen.

Die vier Berge waren keine Riesenherausforderung, taten aber dennoch weh. Nach der Kilometeranzahl tut jeder Berg weh! Der K11 Anstieg, von Endorf nach Dörnholthausen, rauf zur Mescheder Mühle (Warum sind die Mühlen eigentlich immer so weit oben gebaut? Ist nicht das erste Mal, dass so ein malerischer Name in Zusammenhang mit "Mühle" nichts anderes als: "RAUF DA!" bedeutet!) und von Beckum nach Hövel, bevor es dann nach Eisborn ging:






In Eisborn verbrachte ich ein wenig mehr Zeit als gewollt, bevor ich die letzte Rampe direkt von Eisborn heraus in Angriff nahm. Dem Magen ging es besser, aber die Aufnahme von Nahrung oder Flüssigkeit war immer noch nicht drin. Aber auch nicht weiter schlimm, da die restlichen 40 Kilometer ganz passabel abliefen. Nach der letzten Kontrolle kam noch ein Stück über eine grauenvolle Buckelpiste, auf der ich einer anderen Gruppe hinterher jagte. Alleine fahren kostete einfach zu viel Kraft. Am Hinterrad lutschend, wie eigentlich die ganze Tour über, kam ich so in Richtung Ziel. Und ich als Bochumer muss ehrlich gestehen, dass ich mich noch nie so gefreut habe, ein Schild mit der Aufschrift "Dortmund-Aplerbeck" zu sehen. Vor allem weil Aplerbeck hier mit der dortigen Psychiatrie assoziiert wird.

Am Ende der Tour standen dann folgende Daten:

- 255,3 Kilometer (neuer Rekord für mich)
- 4.120 Höhenmeter (neuer Rekord für mich)
- 25,1 Km/h im Durschnitt
- 147 bpm im Durschnitt, wobei der Puls stellenweise knapp an die 190 reichte

Perfektes Tempotraining für mich also! Und zur Belohnung die Tortour überstanden zu haben, habe ich gleich noch einmal das Trikot samt Hose geordert. Wenn schon, denn schon. Auf der nach Hause fahrt schlief ich dann drei Mal ein. Gut, dass ich nicht gefahren bin!

Gegen 21:00 am Abend hatte der Magen sich soweit wieder beruhigt, dass ich ein wenig essen konnte und um 23:30 habe ich geschlafen. Punkt 12 Stunden später bin ich aufgewacht. Selten war ich so im Eimer.

Für mich kann ich nur eine einzige Konsequenz daraus ziehen: Nächstes Jahr wieder!

Freitag, 7. August 2015

Morgen Sauerland eXtreme

Ich weiß ja nicht, wie es anderen mit solchen Veranstaltungen geht. Aber ich durchlaufe immer einen gewissen Zyklus. Immer irgendwo zwischen "Yay, das wird geil!" und "Bist du eigentlich bescheuert?"

Ich lese von der Veranstaltung. Der Gedanke gefällt mir. 254km von Dortmund Aplerbeck nach Winterberg und wieder zurück. Knapp 4000 Höhenmeter. Start: 6:30. Den ganzen Tag auf dem Rad verbringen, mit Gleichgesinnten durch die Pampa bolzen, verpflegt zu werden, sich keine Sorgen machen müssen um Nichtigkeiten wie: "Wo gibt es was zum Mittag?". Ich melde mich an. Ein Grinsen durchzuckt mein Gesicht und im Kopf rattern schon die Rädchen, was alles noch trainiert werden muss. Sollte. Es kommt ja immer anders als man denkt. Genauso wie Regeln da sind, um gebrochen zu werden, sind Pläne da, um am Ende wieder nicht genau das erreicht zu haben, was man wollte. Aber annähernd. War leider schon recht spät dran mit meiner Anmeldung und musste den vollen Preis von 45€ zahlen, auf die 5€, die man freiwillig spenden konnte, kam es dann auch nicht mehr an. Trotzdem haben das nur knapp 200 gemacht, was ich komisch finde. Viele fahren auf Rädern herum, die tausende von Euro wert sind und bei 5€ wird dann geknausert. Gut, die Entscheidung ist jedem selbst überlassen, aber es gibt wahrscheinlich schlimmeres als 5€ an die DKMS zu spenden.

Die Euphorie zieht sich weiter hin. Bis etwa zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin. Die Wetterdaten, die zu der Zeit in etwa so verlässlich sind wie Vorhersagen einer Wahrsagerin, werden täglich, ach was, stündlich betrachtet. So langsam beginnen die Zweifel: "6:30 Start? Das heißt kurz vor 5 aufstehen..." und "Das Wetter sieht ja nicht so pralle aus...". Aber angemeldet ist angemeldet. Und eigentlich will ich es ja auch machen. Freiwillig. Nun sitz ich hier am Abend vor dem Start, die Wetteraussichten sind ganz okay, am Morgen soll es ein wenig regnen. Aber das war es auch schon. Kein Temperatursturz, keine Gewitter.  Die Motivation steigt wieder. 

Vorhin die Startunterlagen abgeholt. Ein weiterer Motivationsschub. Es wird ernst. Der Veranstalter hatte allerdings ein paar kleinere Probleme durch einen Fehler der Firma, die die Startnummern hergestellt hat und war im Verzug. Laut Aussage des Veranstalters mindestens eine Stunde. Wenn nicht zwei. Nach 30 Minuten werden die ersten Nummern ausgegeben. Perfekt! 

Gleich werde ich weiter vorbereiten, die Trinkflaschen mit Maltodextrin befüllen, Kohlenhydratpulver hinzugeben. Mit voller Macht gegen den Hungerast. Bleibt die Hoffnung, dass ich nachher gut einschlafe und morgen gut aus dem Bett komme. So langsam werde ich auch ein wenig hibbelig. Keine perfekten Voraussetzungen für einen guten Schlaf.

Mit allem Optimismus geht es morgen früh rechtzeitig raus, Punkt 6:30 auf die Strecke und dann geht's los. Die ersten 50-60 Kilometer sind immer gut, danach kommt ein Loch, welches bis zur Hälfte dauert. Für mich ist das der Knackpunkt. Sobald ich mehr gefahren bin als ich noch vor mir habe, steigt die Motivation immer. Jeder Kilometer mehr bringt mich dem Ziel näher. Nach dem Ende schlägt die Euphorie dann geballt zu. Hoffen wir, dass es so kommt und morgen niemandem etwas passiert, alle heile ins Ziel kommen. 

Sonntag dann der Bericht. Ich denke nicht, dass ich den Samstagabend noch machen werde. Ich hoffe, mir wird verziehen.

Montag, 3. August 2015

Continental und Specialized

Continental ist ja bekanntermaßen auf dem absteigenden Ast. Keine Weiterentwicklung und immer teurere Mäntel. Nicht unbedingt das, was man sich als Kunde wünscht. Nichtsdestotrotz sind die Reifen immer noch die Referenz, wenn es um Mäntel geht. Ich selbst bin mit meinem Canyon seit April knapp 6.000 Kilometer gefahren. Den vorderen 25mm Reifen hat es leider bei einem Sturz erwischt, bis dahin lief er problemlos. Gutes Fahrverhalten und keine Durchschläge oder ähnliches. Der hintere Reifen lief die vollen 6.000 Kilometer ohne ein Problem - bis letzten Samstag. Ein Durchlag direkt durch die dickste Stelle des Mantels, schwammiges Fahrverhalten (vor allem bergab, auf einmal brach das Hinterrad aus) und ein Blick auf den Mantel offenbarten das Problem: abgefahren. An einem Wochenende. Keinen Ersatzmantel zu Hause, keine Chance schnell einen zu bekommen. C'est la vie. Murphys Law. Nun gut, Montagmorgen ab zum Fahrradladen meines Vertrauens, neuen Conti holen. Ausverkauft. Sparkassengiro am Wochenende hat für ihn anscheinend zu einer massiven Umsatzsteigerung geführt. Und zu leeren Lagern. Keine Contis mehr da. Erst morgen. Leider nicht akzeptabel. Also das Handy gezückt und geschaut, wo Fahrradläden in Bochum sind.

Der erste Laden hatte noch zu und machte erst um 10:00 Uhr auf, der zweite war parkplatztechnisch bescheiden. Also landete ich bei Rockers. Sie hatten den Conti. Für 55€. Runtergehen bis 45€ möglich. Soll ich lachen? Im Netz kriegt man die Dinger hinterher geschmissen. Aber ich wollte beizeiten sowieso mal was anderes ausprobieren. Den Horizon erweitern. Vom Altbewährten abrücken und den Neuheiten eine Chance geben. Im Kopf hatte ich schon vorher Specialized. Immerhin ist der Chefingenieur von Continental dorthin gegangen. Abgeworben worden. Für eine Ablösesumme von seinem Verein abgekauft worden. Falscher Sport. Wie dem auch sei, ich habe schon am Samstag einen Specialized Schlauch für den Platten genutzt und er hat die restlichen 20 Kilometer auf drei Bar ohne Probleme gehalten. 

Also stand ich vor dem Regal und wurde beraten. Sehr professionell, sehr kompetent. Sehr zu empfehlen. Am Ende sind des die Turbo Pro geworden. Leider nicht in blau, wie es sie anscheinend noch gibt. Hätte gut zum Rad gepasst. Und zu meiner Kleidung (hab einen Blaufetisch). Jetzt liegen die neuen Mäntel hier und haben zusammen 54€ gekostet. So viel wie ich für einen Continental bezahlt hätte. Und ich kann mal was neues ausprobieren. 

Nachher werden die Mäntel draufgezogen und es folgen Fotos. Aussehen tun sie schon mal gut und ich denke, dass ich gut für den Alpenurlaub gewappnet bin. Bin auf die erste Ausfahrt nachher gespannt!

Edith sagt:

Die Mäntel sind super, wenn auch nicht wirklich komfortabel im Vergleich zu 25mm Reifen, aber das ist ja immer so. Wie dem auch sei, das wäre das einzige, was ich zu bemängeln hätte, ansonsten muss ich sagen, dass sie verdammt gut rollen. Vor allem auf gutem Asphalt fühlt es sich an, wie auf einer Wolke zu fahren und dahinzugleiten. Und zwar flott. Oder war meine Kraft das? Wahrscheinlich eher die Mäntel. Auch halten sie einiges aus. Wer die Wege und Straßen im Ruhrgebiet kennt, weiß, was ich meine. Auch eine falsche Abzweigung und der Fahrt auf einem Forstweg wurden heile überstanden. Keinerlei Pannen oder sonstige Probleme gehabt. Die ersten 85 Kilometer waren sehr vielversprechend und ich hoffe, dass es so bleibt!