Dienstag, 22. September 2015

Tag 4, Königsetappe oder: Elegantes zerstören der Muskeln

Mittwoch, Tag 4. Schon am Vorabend bei der Besprechung, als das Profil ausgeteilt wurde, wurde es kurz still. Vorfreude oder Schock? Ich denke ersteres, aber zumindest ein wenig Respekt schwang mit. Immerhin stehen an diesem Tag nicht weniger als fünf (5) Pässe auf dem Programm, knappe 3.300 Höhenmeter und das auf 100 Kilometer. Holla die Waldfee. Dienstag früh ins Bett und wie immer, wenn etwas wichtiges ansteht: Der Schlaf will und will nicht kommen. Also liege ich in meinem Zimmer, höre das ruhige Atmen meines schlafenden Zimmerkollegen und so langsam aber sicher kriege ich Mordgedanken. Nicht einschlafen können ist schon kacke, aber dann jemanden so demonstrativ gut schlafen zu hören! Nicht auszuhalten! Am Ende kam ich dann auf flockige 3 Stunden Schlaf, war allerdings ein wenig aufgeputscht. Von dem doppelten Espresso. Zumindest lief es dann und die Müdigkeit kam erst, als sie kommen sollte: abends, als wir wieder im Hotel waren.

Nun gut, hier das Profil:



Los ging es in Richtung Passo Giau. Schön zu sehen die Zweiteilung des Giau: erst relativ entspannt bei niedrigen Steigungsprozenten in Richtung Pocol, bevor man nach links abbiegt. geradeaus weiter ginge es hinauf zum Falzarego. Nach der Erholung bei Pocol zieht der Berg aber mächtig an und es geht gut bergauf, man hat aber durchgehend eine gute Aussicht, die Straße ist schön und beschert einem des Öfteren eine Kehre und die Schafe schauen den fahrradfahrenden Idioten bei ihrem Hobby zu! Oben angekommen eröffnet sich ein schönes Panorama:

Blick zurück in Richtung Pocol.
Das obligatorische Passschildfoto!


Blick auf die Bergwelt, auf die wir nun zufahren, mit anderen Worten: Da ist die Abfahrt!

Blick auf "La Gusela"!
Durch Selva di Cadore geht es in Richtung Passo Staulanza, einen schön zu fahrenden Pass, der am Ende einige Kehren bietet, alles in allem aber recht durchschnittlich ist - wenn ich das mal so sagen darf. Keine besonders harten Steigungen, nicht besonders lang. Ein Pass zum "mitnehmen"! Von dort ging es hinunter nach Dont, wo die Gruppe sich sammelte - nach einer langen und schönen Abfahrt - und auf die Dinge wartete, die da kommen. Trotzdem eröffnet sich oben am Staulanza ein schönes Bild und auch das obligate Passfoto darf nicht fehlen:





Mit anderen Worten: Passo Duran. Ein ekliges Stücken Auffahrt, sehr unregelmäßig. Man fährt kurz nach Dont rein, rechts auf die Straße und dann die erste Straße wieder links. Und schon steht man, ohne Vorwarnung, in einer heftigen Steigung mit 13-15% Steigung. Das dann dominierende Geräusch waren Ketten die knarzten, weil sie von ihren Reitern gezwungen wurden unter größter Belastung auf die kleinstmögliche Variante zu wechseln. 

Verhangene Berge auf dieser Höhe...
Juhu! Drecksberg!



Insgesamt weist der Duran eine Durchschnittssteigung von knappen 7% auf - ein Witz, da es zwei flache Rampen gibt, eine bei Gavaz, eine Chiesa und insgesamt gut einen Kilometer ausmachen. Somit wäre man dann nicht mehr bei 8.5 Kilometern, sondern bei 7.5, auf welchen man fast 700 Höhenmeter macht. Macht eine durchschnittliche Steigung von 10%. Und die merkt man auch, eine steile Rampe, hat man seinen Rythmus gefunden, verliert man ihn wieder und oben... Oben tut das Ding einfach nur noch weh, vor allem, wenn man dann schon zwei Berge in den Beinen hat. Und ein paar Berge aus den vorherigen Tagen... Da kam der halt in einem kleinen Café gerade recht, auch wenn selbiges mit unserer heuschreckenartigen Gruppe ein wenig überfordert war... 

Den restlichen Weg legten wir in Absprache mit unserem Guide (dazugelernt!) alleine zurück und fuhren voraus. Zunächst der Forcella Aurine, 11.5 Kilometer mit 686 Höhenmetern, und dann, als krönender Abschluss, der Passo di Cereda mit 3.4 Kilometern und 242 Höhenmetern. Dazwischen eine kurze Abfahrt auf gerade geteertem Boden (eklig!) und der deutlich sichtbare Wechsel von der Provinz Venetien hinein nach Südtirol. Mit dem Schild wechselte der schlechte Asphalt zu perfektem, neuem Asphalt. Zufall? Auf jeden Fall sieht man, wo das Geld ist...

Zwischen den Auffahrten hat man eine gute Aussicht!
Der krönende Abschluss der Tour war die Abfahrt vom Cereda. Unglaublich breite Straße, kein Verkehr, schöner Asphalt. Und eine lange Gerade, auf welcher die 80 geknackt wurde. Warum es keine großen Fotos von den beiden Pässen gibt? Schnauze voll und im Arsch gewesen, ich wollte einfach nur noch ins Hotel und mich ausruhen! Hat auch geklappt. Sehr edles Hotel mit einem reichhaltigen Buffet und einer guten Weinkarte versüßten dann noch den Abend und ermöglichten es mir, abends ohne Probleme zu schlafen!

Tag 2 - Furkelsattel, Stallersattel und Luckner Haus

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einfach nicht in der Lage dazu war, jeden Tag einen Bericht hochzuladen. Nach dem Ankommen wurden die Zimmer bezogen, die Sachen mussten zusammengesammelt werden, dann ging es meistens und wenn möglich ausgiebig in die Sauna und dann auch schon zum Abendessen. Das ging meistens bis 9 Uhr, dann ging es in Richtung Bett, noch ein wenig im Internet surfen, Daten hochladen und so weiter. Leider war das Internet oft relativ mies und ich gab entnervt nach zumeist wenigen Minuten auf - es reichte meist gerade zum Hochladen der Dateien, wobei mich selbst das oft an den Rand des Wahnsinns gebracht hat.

Zurück zum eigentlichen Thema. An Tag 1 stand, wie erwartet, der "Test", in welche Gruppe man gehört, wie man im Vergleich zu den anderen steht. Ergo: Schmerzen in den Beinen waren bereits am 2. Tag angesagt und auf dem Plan standen Furkelsattel, Stallersattel und das Luckner Haus. Letzteres als optionales Angebot, welches nicht gefahren werden musste, aber gefahren werden konnte. Doch versprach es einen Blick auf die Rückseite des Großglockner Gletschers und so war mir schon am Sonntagabend klar, dass die Option gezogen wird. Das Profil insgesamt sah so aus:



Vom Startweg ging es bergauf und - zu unserem Nachteil - mitten durch einen Wald. Was bei einer morgendlichen Temperatur von ca. 5 Grad bedeutete. dass die Temperaturen im Schatten noch kälter waren. So muss ein Tag anfangen! Aber schnell waren wir aus dem Wald raus und fuhren, Gott sei Dank, in die Sonne und schraubten uns immer weiter bergauf in Richtung des ersten Passes, der bereits nach knappen 9 Kilometern erreicht war und dabei etwas weniger als 500 Höhenmeter überwand und einen schönen Blick auf die Umgebung ermöglichte!

Blick auf die besagte Strecke im Wald... 
Der Ausblick ist schon echt verdammt schön, aber da kommt noch mehr!

 Oben angekommen unterlief unserer Gruppe allerdings ein... Malheur. Gestartet waren wir, wie am Vortag, mit 2 Gruppen: die sportive, die über die Ebene und die Berge jagt und die zweite Gruppe, ein Hybrid aus der entspannten und der ausdauernden Gruppe. Leider offenbarte sich am Berg, dass diese große Gruppe, retrospektiv, keine gute Idee war. Der Furkelsattel lag im Schatten, es war schweinekalt und kein Guide in Sicht. Alle im hinteren Bereich. Was jetzt? Wir entschlossen uns dazu, so schnell wie möglich bergab zu fahren und rasten bergab an unserem Busfahrer vorbei. Dem wir hätten Bescheid geben sollen, dass wir auf eigene Faust weiter fahren. Unten angekommen fuhr die erste Gruppe gerade wieder los und unsere in der Abfahrt ein wenig auseinander gefallene Gruppe sammelte sich ebenfalls. Einer hatte den Track. Bis zum nächsten Pass waren es laut vorabendlicher Besprechung kein langer Weg. Also fuhren wir auch weiter. Wir waren ja mit dem Track versorgt. Am Fuße des Stallersattels überholten wir die erste Gruppe, die gerade ihre Sachen wechselte. Von Roli, unserem Guide, kam nur ein "Wo ist denn euer Guide?!" - ich hielt an und war auch ein wenig verwirrt, da ich gedacht hatte, dass wir uns hier der ersten Gruppe anschließen, der Großteil der Gruppe peste aber an der Ersten vorbei und war auf nimmer wieder sehen um die Ecke verschwunden. Zusammen mit einem anderen Kollegen fuhren wir dann weiter, die Gruppen waren mittlerweile alle weg und wir hatten keine Lust mehr herumzustehen. Der Herr im Carrera-Trikot erwies sich als hervorragender Pacemaker und wir holten beinahe die erste Gruppe wieder ein, die die unsrigen bereits überholt hatte. Von weitem kriegten wir dann noch mit, wie Roli die Gruppe zusammenstauchte. Immerhin wusste niemand, das wir alleine weitergefahren sind. Insofern: Verständlich.

Dann ging es hinauf zum Stallersattel, insgesamt 22.5 Kilometer und gute 1000 Höhenmeter. Am Antholzer Bach geht es bis zum Antholzer See, bis hierhin ist der Berg nur einer von vielen. Dann kommt allerdings ein Flachstück, bevor die letzten 4.1 Kilometer durch eine Ampel geregelt werden. Von X:30-X:45 darf man rauffahren, bis zur vollen Stunde hat man Zeit, ab dann darf von X:00-X:15 aufgefahren werden, wiederum mit einer Viertelstunde Zeit. Ich kam um genau zur halben Stunde an und durfte die gesamte, schöne, aber auch bockharte Auffahrt (knappe 9% im Schnitt) weitestgehend autofrei verbringen. 5 Stück haben mich summa summarum überholt. Die letzten 500 Meter kam dann der Verkehr von Oben herab, aber da war die Auffahrt schon geschafft. Und der Blick war der Hammer...




Blick auf den Antholzer See und den Hochgall der Rieserfernergruppe. 
Den kennt ihr ja wohl mittlerweile!
Oben wurde dann gegessen, getrunken und auf den Guide gewartet - mittlerweile wurde einer der beiden hinteren Guides nach vorne beordert und übernahm unsere Gruppe, die sich aufmachen sollte, das Luckner Haus zu erobern.

Oben auf dem Stallersattel hatten wir knappe 45 Kilometer hinter uns gebracht und hatten somit 35 Kilometer Abfahrt vor uns, die uns bis ins tiefe Österreich hineinführen sollte. Die Abfahrt vom Stallersattel war, vom oberen Teil abgesehen, schön asphaltiert und lud ein zum Bergabfahren. Nach der Abfahrt wurde im ersten Ort eine Pause gemacht und eine österreichische Spezialität probiert: die gute, alte Sachertorte:

Wollte schon immer mal mein Essen fotografieren! Und mein Garmin, freilich! Und nein, dass Bier des Kollegen war nicht alkoholhaltig!
Bei der Sachertorte wurde weiter daran gearbeitet, den Kollegen Sandro zu überreden, mit auf's Luckner Haus zu kommen. Ich hatte Erfolg, aber es sollte sich rächen...

Dann ging es 20 Kilometer bergauf bis zum Luckner Haus. Direkt am Anfang erwartete uns eine 3.5 Kilometer lange und mit 272 Höhenmetern gespickte Rampe, die nach der Abfahrt und der kleinen Orientierung an der Kreuzung, die kalten Muskeln wieder erhitzen sollte. Bis nach Kals am Großglockner verläuft die Auffahrt unglaublich unrhytmisch. Aber nach Kals merkt man, wo der Forsch die verdammten Locken hat. Zunächst folgte eine etwa 1 Kilometer lange Gerade, die mit 13% gen Himmel strebt, bevor man nach rechts zum Luckner Haus abbiegt. Ab hier wurde es richtig, richtig eklig. An die letzten 6 Kilometer erinnere ich mich nur schemenhaft. Es ging ziemlich zackig nach oben, recht steil und nach 90 Kilometern und bereits zwei Pässen auch ziemlich schmerzhaft. Aber es half ja alles nichts, ich wollte den Gletscher sehen! Zwischendurch ein Foto und oben dann die Ernüchterung:

Blick von der Auffahrt auf die Umgebung! Sehr schön anzusehen, aber bereits hier dämmerte mir, dass das mit dem Blick nicht so toll sein würde. 

Und da haben wir den Salat...
Tja. C'est la vie. Mal hat man Glück, mal hat man Pech. Heute hatten wir Pech, sammelten uns aber im Luckner Haus und genossen einen "kleinen" Kaiserschmarren oder sonstige Leckereien, bevor es wieder bergab ging.

Vor der Abfahrt klarte es ein wenig auf und man konnte zumindest erahnen, wie der Blick hier sein könnte...

Unten an der Kreuzung - Blick auf die Isel bei Hubern.


Volle 40 Kilometer. Unser Guide hatte dann die undankbare Aufgabe uns ins Ziel zu ziehen, beim Rest war die Müdigkeit und Erschöpfung doch recht fortgeschritten. Insgesamt jagten wir bis kurz vor Lienz mit einem knappen 35er Schnitt. Im Hotel wartete schon, voller Sehnsucht, die Sauna auf uns. Herrlich!

Dienstag, 8. September 2015

Tag 3 oder: Karma

Gestern habe ich, wie noch nicht beschrieben, einen Kollegen dazu überredet hinauf zum Luckner Haus zu fahren (Da das ganze mehr ein Tagebuch ist, trage ich jetzt - gestern gab es kein Internet - erstmal den heutigen Tag nach). Für mich war klar, dass ich am folgenden Tag, also am dritten Tag, nicht die Option fahren werde. Dienst nach Vorschrift quasi. Irgendwie nach oben zu den Drei Zinnen kommen, wieder runter. Fertig. Denkste. Karma schlägt zu. Besagter Kollege fragt heut morgen, ob ich die Option - die "Pustertaler Höhenstraße", die schon humorig von Roli als "Steigungsstraße" angekündigt wurde - fahre. Nein. Der Dialog sah in etwa so aus:

"Kommst du mit die Option fahren?"
"Nein."
"Sicher?"
"Ja."
"Wirklich?"
"Ja."
"Du hast mich gestern das Luckner Haus hochgejagt, obwohl ich nicht wollte."
"Ich komme."

Und so fand ich mich in Gruppe 2 wieder, und fuhr schnurstracks besagten Berg hinauf. Herzlichen Glückwunsch, kann ich nur sagen, der Berg, beziehungsweise "Bergkette", hat es in sich. Dreimal geht es bergauf, zwei Mal bergab. Insgesamt macht man auf den knapp 30 Kilometern 1.300 Höhenmeter - in etwa. Dennoch: Die Gegend ist schön, die Straßen relativ selten von Kraftverkehr genutzt und die Abfahrten sind schnell. Bergauf zeichnen sich die drei Anstiege durch ihre 10% aus. Im Durchschnitt. Hab ich erwähnt, dass am selbigen morgen mein Knie zickte? Jetzt nicht mehr. Weggetreten. Also rauf da. Ausblicke hat man immer wieder schöne auf das Tal, wenn man durch die Dörfer fährt und als Ruhrgebietler fragt man sich ein ums andere Mal, warum es nicht auch im tiefen Westen so eine Landschaft geben könne. Und solche Berge. Die Landschaft an der Höhenstraße ist schon genial!






Es folgten dann 20 Kilometer durch das Tal bis zur Pizzeria, die uns als eine der besten der Umgebung angepriesen wurde. Stimmt. Definitiv. Name: Vergessen. Egal. Kurz hinter der Österreichischen Grenze jedenfalls. Hätte zwei Pizzen essen können oder drei. Und Besuch von einem kleinen Hund hatten wir auch (so einer läuft bei mir zu Hause auch rum, da kam glatt ein heimisches Gefühl auf!):



Was dann folgte war nichts anderes als ein ständiges bergauf. Auf Radwegen, Straßen und immer schön, wenn es der Gegenverkehr (vor allem auf den Radwegen) zuließ, in Zweierreihe. Bis in etwa nach 75 Kilometern und auf einer Höhe von 1.500 Metern der erste der drei folgenden Anstiege folgte: Zunächst hinauf nach Misurina mit 5 Kilometern und 303 Höhenmetern, dann in Richtung der unbekannteren Seite der Drei Zinnen. Der Berg ist... Scheiße? Heftig, einfach nur heftig. Einfach nur steil. Aber eine herrliche Aussicht (sofern man sie denn genießen kann...), die für vieles entschädigt. Und da wir außerhalb der Saison hier sind auch relativ wenig Verkehr. Oben angekommen hat man die herrlichste Aussicht! 

Die Abfahrt und der Tre Croci waren gut, der Berg ein Klacks, nach dem, was da schon war. Und ehrlich gesagt bin ich müde und will nicht mehr. Deshalb: Gute Nacht!

Tag 1 - Würzjoch

Tag 1 der Quäldich-Dolomiten-Rundfahrt began am Sonntag. Schon morgens merkte man eine gewisse am Tisch. Alle waren leicht hibbelig. Es sollt endlich losgehen. Gutes Frühstück. Fahrrad fertig gemacht. Gruppe ausgewählt. Die erste Gruppe war mir zu... Hochgezüchtet. Kann man nicht anders sagen. Da sind definitiv die drin, die ein ordentliches Grundtempo haben. Also ich nicht.

Im Endeffekt wurden, zu Gruppenfindungszwecken, auch nur zwei Gruppen gemacht. Also in die zweite Gruppe. Auf ging es gen Klausen. Was soll man sagen? Unspektakulär. Irgendwie hoch, leicht ansteigend. Meist auf dem Radweg, es sei denn, der Radweg ist gesperrt, und weiter ging es in Richtung des ersten Passes. Würzjoch. Enge Straßen. Wenig Verkehr. Durch ein paar kleine Dörfer. Mit einer Idiotin, die uns in einer Kehre die Vorfahrt genommen hat. So eine seltene Dämlichkeit, einfach durchzuziehen, obwohl drei Radfahrer gerade die Kehre in Angriff nehmen...  Dummheit. Einfach nur Dummheit und verdammt gefährlich. 

Lustig war, dass ich mit einem Kollegen ausklamüsert hatte, dass es noch 10 Kilometer zum Ende des Passes waren. Dabei waren es noch mehr als 15. Glatt verschätzt. Also volle pulle darauf. Und als 5 Kilometer später das Schild "15.5 Kilometer" kamen, dachte ich nur: "Oh scheiße." Das ging auch ganz schön ab, die Oberschenkel wurden immer dicker. Vor allem, da die Berge hier echt nicht mit denen aus den Alpen zu vergleichen sind. Steiler. Deutlich steiler. 11% sind hier eher die Tagesordnung als eine kurze, steile Rampe. Herzlichen Glückwunsch. Zumindest weiß ich jetzt, dass ich vielleicht mal mehr auf Kraft trainieren sollte. Das tut nämlich auf Dauer ganz schön weh.

Die Abfahrt nach St. Virgil bei Enneberg war lang und gut, wurden allerdings durch die letzten ansteigenden Kilometer ganz schön unschön. Aber es gab einen Trost: Saune für Lau im Hotel. Herrlich!

Freitag, 4. September 2015

Passo della Foppa aka "Mortirolo" - Name ist Programme!

Mort. Dieses Präfix ist nicht umsonst im Namen des Berges. Scheiß die Wand an. Das kann man nicht anders sagen. Aber dazu gleich mehr. Erst einmal muss ich sagen, dass ich enttäuscht bin. Eigentlich wollte ich den Gavia noch machen. Eigentlich. Dies ist vor allem ärgerlich, da er als besonders schön gilt. Aber der Reihe nach.

Der Wecker ging morgens um 5 los. Bei dem, was ich mir vorgenommen hatte, sollte ich früh losfahren, damit ich früh wieder im Hotel bin. Immerhin muss ich heute packen, da es morgen weiter nach Bozen geht, wo der Treffpunkt für die Dolomiten-Reise von Quäldich.de ist. 

Als ersten Startpunkt hatte ich mir eine kleine Stadt namens Cepina ausgesucht. Auf dem Weg dorthin musste ich freilich über das Stilfserjoch und ich muss sagen, dafür hat es sich schon gelohnt. So früh morgens herrscht da eine wirkliche Stille, nichts los. Schöne Szenerie, vor allem mit der aufgehenden Sonne! 

In Cepina angekommen parkte ich auf dem Friedhofsparkplatz am Ortsausgang, stieg aus und - verdammt, war das kalt! 6 Grad! Also alles angezogen, was ich dabei hatte, Fahrrad zusammengebaut, los geht's. Bis ich irgendwann zwei Dinge bemerkte: 1) Warum geht es hier bergauf und anscheinend über den Berg? und 2) Das ist nicht die Richtung in die ich muss. Handy raus. Keine vernünftige Anbindung bis nach Mazzo/Tovo gefunden, wieder zurück zum Auto, alles wieder zusammengebaut und die 25 Kilometer bis nach Tovo di Sant'Agata gefahren. Wieder am Friedhof geparkt, der auch noch direkt am Beginn des Anstiegs liegt und rauf da. 

Ich würde ja gerne etwas über die Aussicht sagen, aber ich hab eigentlich nur den Asphalt vor mir gesehen und mein Vorderrad. Die ganze Zeit geht es einfach permanent mit 10% und mehr bergauf. Leck mich fett. Es ist einfach ein großer Unterschied zwischen dem Erleben und dem Sehen auf einem Höhendiagramm. Es ist einfach mörderisch. Brutal. Es ist immer schwierig mit den Superlativen, vor allem auch im Hinblick auf die anderen Berichte und die Berge, die ich gefahren bin. Aber Stand jetzt kann ich definitiv sagen: Das ist mit Abstand der härteste Berg, den ich bisher gefahren bin. Nicht der Galibier, nicht der Madeleine, nicht der Chaussy nach Télégraphe und Galibier, nicht der Agnel, nicht der Izoard. 

Die Steigung ist einfach nicht zu beschreiben. Ich habe bei mir in der Nähe die "Gräfin-Imma-Straße", die in einer Kurve richtig ordentlich anzieht, ein richtiger Steher. So ist der Mortirolo durchgehend. Nach fast 9 Kilometern kommt dann die erste Erholung und verdammt, die hat man dann auch nötig. Zu dem Zeitpunkt tat mir schon alles weh: Knie, Rücken, sogar die Fußknöchel taten vom ewigen Wiegetritt weh! In der kurzen flachen Passage konnte ich zumindest ein paar Fotos machen, auch, weil sich hier endlich der Wald lichtet und man ein wenig mehr sehen kann:

Was dann allerdings kommt ist einfach nur tödlich. 21% Rampen über mehrere 100 Meter, wenn man Glück hat, dann sackt es mal auf 15% ab. Leider muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich hier aus Sicherheitsgründen abgestiegen bin. Der Asphalt wurde mit der Steigung zusammen extrem schlecht und der Grip schon mäßig. Dann kamen allerdings noch so Rillen hinzu, die das Wasser ableiten sollen. Diese waren aber nicht einfach in die Straße gefräst, wie die ganze Zeit schon, sondern mit Metall verstärkt. Durch den Regen der Nacht und der noch nicht auf den Hang scheinenden Sonne, waren die Dinger verdammt rutschig. 3x habe ich mich fast auf den Bart gelegt. Beim 4. Mal habe ich, in Anbetracht der Tatsache, dass 10 Meter weiter die Kehre war, entschieden, dass es besser ist zu schieben. Mich auf die Nase legen will ich definitiv nicht! Hier ein paar Bilder von der Kehre: 

Danach wurde es, im Vergleich dazu, geradezu harmlos, man biegt auf die offizielle Streckenführung von Mazzo hinauf zum Pass ein, macht noch 6 Kehren bei 11-15% und wuchtet sich nach oben. Oben angekommen wartete eine Kuhherde, die fröhlich Musik machte und ist einfach nur froh, dass es vorbei ist. Das war auch der Punkt, an dem ich entschieden hatte, dass ich den Gavia definitiv nicht mehr machen werde. Mit den Schmerzen noch mal 19 Kilometer bergauf... Nein. Leider nicht.

Wobei: vorbei ist es nicht wirklich... Die Auffahrt ist keine Freude und die Abfahrt auch nicht. Hab die offizielle Strecke nach Mazzo gewählt, die Hände immer an der Bremse. Laufenlassen ging aus zwei Gründen nicht: 1) die vielen Kehren, die enge Straße und der schlechte Asphalt und 2) ließ man die Bremsen nur einmal kurz los, ging das Rad ab wie Schmitt's Katze. In Verbindung mit 1) kein Vergnügen... Somit taten mir, unten angekommen, nun auch noch die Arme weh. 

Im Auto habe ich erstmal 30 Minuten, nachdem ich alles verladen hatte, gepennt. So fertig hat mich der Berg gemacht. Unglaublich. Den Berg muss man einfach einmal erlebt haben, wenn man bescheuert genug ist, den hochzufahren.

Donnerstag, 3. September 2015

Ruhetag mit einer kleinen Runde durch das Etschtal

EIGENTLICH wollte ich heute morgen in Richtung Bormio aufbrechen. Gestern hatte ich bereits alles vorbereitet. Fahrrad ins Auto gepackt, Sachen rausgelegt, Flaschen vorbereitet, Sachen rausgelegt. Das Wetter versprach nicht gerade ein Knaller zu werden, dementsprechend viele Dicke Sachen lagen bereit.

Doch als ich heute morgen um 5:15 von meinem Wecker geweckt wurde und aufgestanden bin, dachte ich nur: "Himmel Hilf! Mit den Beinen komme ich weder den Mortirolo rauf noch den Gavia." Zu allem Überfluss sind die Wolken anscheinend schneller rübergezogen und es hat geregnet. Die ganze Nacht über. Die Wettervorhersagen hatten sich weiter verschlechtert. Ich habe es einfach mal als Zeichen verstanden und habe mich wieder ins Bett gelegt. Man soll sein Glück ja auch nicht überstrapazieren, vor allem nicht in den Bergen mit einer hohen Gewittergefahr.

Also wieder ins Bett, Wecker auf 8:45 gestellt und siehe da, die Beine waren besser. Zumindest so gut, dass ich mir vorgenommen hatte, nach dem Frühstück ein wenig an der Etsch entlang zu fahren. Was ich dann auch tat. Der Hinweg ist wirklich gut, mein Garmin-Navi hat mich super geführt und ich hab so langsam aber sicher meinen Gefallen an den kleinen Fahrradstraßen gewonnen, ebenso an den Wirtschaftswegen der Apfelbauern. Unschön war lediglich der kurze Weg über die Vinschgauer Straße, die hiesige Hauptverkehrstraße, die relativ eng für eine Straße ist, die mit einem solchen Ausmaß an Verkehr auskommen muss. Wenigstens ging es bergab und ich konnte ziemlich schnell schauen, dass ich da wegkomme - bei der nächsten Ausfahrt (Kortsch) ging es auch schon wieder raus und über Schlanders wieder auf den Radweg entlang der Etsch.

Bis Kastellbell ging es weiter, was ich nach knapp einer Stunde erreichte. Bergab ist es halt auch ohne große Anstrengung leicht einen guten Schnitt hinzulegen! Was dann kam, war ein Beweis dafür, dass es den Beinen wieder gut ging, aber auch, dass es für zwei richtige Pässe - und dann auch noch für den Gavia und den Mortirolo - nicht reichen würde.

Der Weg rauf nach Tarsch war ein Berg der 3. Kategorie und es lief einigermaßen. Unschön war, dass anscheinend die Fahrbahndecke erneuert wird und die gesamte rechte Spur aufgerissen war. Was aber kein Problem war, darauf war so wenig los, dass mir nicht ein einziges Auto entgegenkam und ich problemlos auf der Gegenspur fahren konnte *hust*. Man passiert auch ein kleines Dorf, welches einen Brunnen hat, das Auffüllen der Flaschen wäre hier also auch problemlos möglich!


Ein Blick über die Apfelplantagen hinweg runter ins Tal.

Herrlicher Blick aufs Tal, dieses Mal ohne vollbehangene Apfelbäume!


Oben angekommen folgte der spaßige Teil: Eine gut ausgebaute Straße, gut einsehbare Kurven, guter Asphalt bat die Abfahrt und nur ein Auto kam mir bei der Abfahrt nach Latsch entgegen. Mein Schnitt darunter: 60km/h. Wenn man übrigens Lust hat, eine Pause einzulegen: Die Abfahrt nach Latsch geht am Schwimmbad in der selbigen Stadt vorbei, in welchem ich gestern drei Stunden lang faul im Whirlpool lag und die Berglandschaft betrachtete.

Weiter bis nach Goldrain und auf den Etschtalradweg. Doofe Idee. Ab Göflan hatte dieser eher die Beschaffenheit eines Trails. Das Schild versprach "1.5 Kilometer Schotter", im Endeffekt waren es knapp 5. Ich war wenig angetan. Aber immerhin war es schön, erst rechts, dann links der Etsch zu fahren, die einem entgegen fließt!

Mit "heruntergefallenem" Apfel!

Blick auf die Etsch von der Brücke im geschotterten Teil des Radweges!


Die restliche Strecke war fast genau, wie der Hinweg, nur das ich mein Navi irgendwann ausgemacht habe und der Straße noch weiter nach Tschengls gefolgt bin, da es bergauf ging... Ging irgendwie nicht anders! Bin einfach immer weiter bergauf gefahren, bis ich vor einer sehr steilen und nicht asphaltierten Straße stand. Hab dann entschieden, dass ich das nicht brauche und bin wieder in Richtung Prad gefahren.



Ein typischer Wirtschaftsweg zwischen den Apfelbäumen hindurch - klein, schmal, wenig los!
Der Großteil dieser Strecke, vor allem des Rückwegs, verlief durch die Apfelplantagen und war sehr ruhig und angenehm zu fahren. Irgendwann hat mich ein Apfel angelacht und wie durch Zufall ist er in diesem momentan in meine Hand gefallen. Nachdem ich ein wenig nachgeholfen hatte... War einfach zu verführerisch!

Dienstag, 1. September 2015

Wie man mit schlechten Wettervorhersagen umgeht

Tja. Schlechtes Wetter ist schon in tiefer liegenden Gegenden nicht wirklich ein Vergnügen. In den Bergen ist es aber schlicht und ergreifend doppelt so mies. Auf 2.500 Metern in einen Regenguss bei 8 Grad zu kommen ist nun wirklich etwas, was ich nicht erleben will. Das schreit förmlich nach Krankheit. Okay, gut. Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Das Argument lasse ich gelten. Nur leider sind auch noch Gewitter angesagt. Das macht es unmöglich morgen zu fahren. Und vielleicht auch übermorgen. Schauen wir mal. Auf jeden Fall war damit heute morgen klar, dass es morgen, am Mittwoch, keine Tour geben wird. Nicht im Vinschgau. Nicht im Veltlin. Nicht in Österreich und auch nicht weiter im Osten. Anscheinend ist eine ziemlich große und schwarze Wolke über uns. Also dachte ich mir heute morgen: "Alles oder nichts."

6:30 klingelte der Wecker. 6:50 war ich aus dem Bett - nachdem ich gestern schon um 3 Uhr aufgestanden war und 850 Kilometern in den Beinen hatte (höhöhöhö), war es wirklich eine Überwindung. Aber das Stilfserjoch wartete. 7:10 auf dem Rad. 7:15 an der Bäckerei und mit gefüllten Croissants eingedeckt. Frühstück im Hotel begann erst um 7:30 - zu spät, zumindest heute, bei meinem Plan. Ach ja, der Plan: Rauf zum Stilfserjoch, runter in die Schweiz über den Umbrailpass, hinauf zum Ofenpass, wieder zurück und rauf auf den Umbrailpass, runter und durch's Tal wieder nach Prag mit Abstecher zu den Lichtenberger-Höfen.

Das Stilfserjoch ist schon ein Mythos. L'Alpe d'Huez auch. Das hat mich enttäuscht. Ob mich das Stilfserjoch enttäuscht hat, ist schwer zu sagen, da es die Umstände waren, die meine Meinung zum negativen wenden.

In Prad ging es los. Ich wusste, dass es zwei Städte gibt: Gomagoi auf 1267 Höhenmeter und danach Trafoi auf 1543 Metern. Ich muss gestehen: Ich hab das Profil am Abend vorher auf quaeldich angestarrt. Hängen geblieben ist viel, aber nach der Tour, es ist wie in Trance fahren. Links die Berge, vor einem Straße, man hört das eigene Herz pochen, konzentriert sich auf's Fahren, ansonsten auf die Landschaft um einen herum. Insofern ziehe ich besser mal das Profil und die Beschreibung heran, um die eigenen Erinnerungen wieder aufzufrischen.

Bis Trafoi ist der Weg vor allem dadurch gekennzeichnet, dass es relativ gerade einfach nur bergauf geht. Gibt schlimmeres. Zumal sich, nach dem Wechsel über die Brücke - wenn ich mich richtig erinnere, heißt sie (sehr kreativ), Stilfserbrücke - zur Linken des Fahrers das Massiv um den Ortler erstreckt. Ein herrlicher Anblick. Die schroffen Felsen, der Gletscher, der Dunst, der am Morgen am aufsteigt... Ich habe es versucht beim Fahren zu fotografieren - andere Bilder wird es selten von mir geben, wenn ich bergauf fahre, dann fahre ich und bin voll konzentriert - ich glaube aber nicht, dass das Foto das so einfängt, wie ich es erlebt habe. Wie es jeder selbst erlebt. Das besondere liegt im Moment, im eigenen Sehen, im eigenen Erleben. Es ist schwer, das anderen zu vermitteln. Fotos können schön sein, aber niemals so sein, wie das eigenen erlebte. Okay, genug philosophiert:

Foto wurde etwas früher als beschrieben gemacht, aber dieser Anblick erhebt sich dann zur Linken!


Nach Trafoi geht es dann wirklich los. Die Kehren kommen. Scheiß auf L'Alpe d'Huez, 21 Kehren. Das ich nicht lache. 48 warten hier auf einen. Die ersten führen einen in einen Wald. Aus diesem kommt man heraus vor der Franzenshöhe, wenn ich das richtig im Kopf habe. Hier kriegt man auch den ersten Blick auf die letzten Kehren. Dazu später mehr. Der Weg durch den Wald war ruhig, entspannt. Gut, es ging kräftig bergauf, aber es war schön. Eine Kehre jagte die andere, mal eine längere Gerade, dann wieder eine Kehre. Links der Ortler. Immer noch. Dunst, der aufsteigt. Ruhe. Ungeahnte Ruhe. Selten so eine Ruhe erlebt. Vor allem am frühen morgen, bis etwa 8:30-9:00. Dann fingen Autos an, die Strecke zu nutzen. Sollen sie, alles gut. Ab und zu ein Oldtimer. Gibt schlimmeres als schöne Autos zu gucken!

Bei der Franzenhöhe habe ich ein Foto gemacht. Mein einziger Gedanke war "Oh shit.". Man muss sich das einmal vorstellen: Da fährt man knapp 14.5 Kilometer, auf knappe 2.000 Höhenmeter und sieht diese in den Stein gehauenen Kehren, die sich eng nach oben schrauben wie ein Korkenzieher und man fängt an zu rechnen: "Gut. Die Passhöhe liegt auf 2.757 Höhenmeter. Ich bin jetzt bei ca. 1.800, habe knapp 15 Kilometer in den Beinen. Weniger als 10 Kilometer, vor mir, noch knapp 1.000 Höhenmeter zu machen." Einziger Gedanken: "Das wird weh tun."

Die Sonne verzog sich zum Ende des Tages leider, aber am Vormittag war sie da! Hier der Beweis - mit dem herrlichen Blick auf die Kehren vor der Passhöhe und der Franzenhöhe linkerhand!

Dann begann leider der negative Teil des Tages: eine britische Oldtimerfraktion - die, die ich im Wald noch bewundert habe, weil es nur 3-4 Wagen waren - machte anscheinend ein Rennen nach oben. Dutzende Oldtimer überholen mich und vor allem in den Kurven war das eklig: Abbremsen, Vollgas geben, Benzingestank. Wenn ich momentan an die letzten 10 Kilometer des Stelvio denke, kommt mir der verdammte Geruch von Benzin in die Nase. Davon abgesehen, war die Fahrt geil. Kann man nicht anders sagen. Aber diese verdammten Oldtimer: Danke auch an den Idioten, der mir den Stinkefinger gezeigt hat, nur, weil ich nicht ganz außen gefahren bin und ihm die Ideallinie zerstört habe. Ich hoffe, du hast einen Getriebeschaden und dein geliebter Oldtimer muss teuer restauriert werden!

Oben angekommen offenbarte sich nicht die Mähr vom "höchsten Rummelplatz". Okay, ich war kurz nach 10 oben, wahrscheinlich eine gute Zeit. Ein Stand neben dem anderen, an welchem Souvenirs gekauft werden können (haben mich irgendwie nicht so überzeugt, obwohl ich willig war!), Stände an denen man etwas zu essen kaufen konnte und ein tolles, bis zur Unkenntlichkeit verklebtes Passschild... Hab dann die Variante vor dem Gedenkschild zu Ehren von Fausto Coppi gewählt (Warum nicht Bartali?!):

Zugeklebtes Schild - leider! Samt Schleichwerbung für das Canyon Endurace Cf 9.0 - ein Fahrrad, wie man es sonst nicht sieht, perfekter Komfort, stabile Lage bergab! Verdammt. Zu offensichtlich?

Nicht gerade fotogen. Aber hinter meinem Rücken verstecke ich meine dünne Jacke,  Den Namen "Coppi" habe ich natürlich verdeckt... 

Runter ging es dann in Richtung Umbrail, weiter ins Tal und Richtung Ofenpass. Wenn schon, denn schon. Über 2.000 Meter ist definitiv anfahrenswert. Der Weg ist dreigeteilt: Zunächst geht es recht flach voran, bevor eine erste Steigung nach Valcheva kommt und knappe 2 Kilometer lang ist. Die ganze Zeit schaut man auf einen Spalt zwischen zwei Bergen und ich dachte so: "Da muss ich hin!" Und so war es auch. Doch zunächst wieder etwas flacher, erst nach Tscherv - und einem rettenden Brunnen, um die langsam aber sicher leer werdenden Flaschen mit kühlem Wasser nachzufüllen - geht es wieder richtig rund. Bis zum Ende. Knapp 5 Kilometer von 1.700 Höhenmeter auf 2.149 Höhenmeter. Schöne Strecke, vor allem deshalb, weil es viele Gerade gibt und man denkt "Das muss ich hinterher wieder runter!". Gen Ende kommen ein paar Kehren, schön ausgebaut und die Passhöhe kommt immer näher. Oben hat man einen schönen Ausblick und ich ließ mich neben dem Passschild nieder, um mein letztes Croissant zu essen. Ich hab ein paar Fotos von Fahrradfahrern gemacht, wurde selbst fotografiert, so, wie es sein soll. Wir Radfahrer sind halt eine Gemeinschaft:

Blick in Richtung Passhöhe (denke ich... Es ist immer schwierig nachzuvollziehen, wo genau das jetzt war... :D)

Das weiß ich aber! Selbsterklärend, oder?

Blick auf die Kehren des Ofenpasses. 


Runter in Richtung Müstair kann man das Rad schön laufen lassen, doch die letzten zwei Kilometer rauf zum Ofenpass haben mir gezeigt, dass ich etwas dringend brauche: Essen. Langsam wurden die Beine schlapp, Und ich wollte noch mindestens den Umbrail fahren. Also ließ ich mich in einem Café nieder und aß ein Bauernbrot, die Preise in der Schweiz sind schon gesalzen, auch wenn es vorzüglich war!

Nun ging es hinauf. Direkt mit mindestens 8%. Ich habe von der Abfahrt nichts erzählt, da ich das Ding ja auch noch raufgefahren bin. Und verdammt, so viel Spaß es macht, den Umbrailpass runterzuknüppeln, so schlimm ist es ihn heraufzufahren. Steil, verdammt steil - vor allem, wenn man vorher den Stelvio und den Ofenpass gefahren ist. Selbstmörderisch, geradezu. Nach Kilometer 4.8 hat man die ersten Kehren hinter sich gebracht. Mit schönem Blick auf das Tal, einen Bergbach, die Kehren unter einem. Die liefen noch ganz gut, dennoch beneidete ich die Straßenarbeiter, die mal eben in meiner Abwesenheit 100m Straße geteert haben, und sich nun ihrer Pause widmeten, in der Sonne lagen und es sich - zumindest zu diesem Zeitpunkt - gut gehen ließen.


Nach den Kehren begann allerdings der Wahnsinn. Die langen Gerade, die beim Abfahren richtig Spaß machen, sind bergauf eher scheiße. Um es nett auszudrücken. Langsam quälte ich mich Stück für Stück bergauf und mir kamen die Worte aus dem Frankreich-Urlaub ins Ohr: "Jeder hat mal eine schwache Phase!" Ich hatte sie am Umbrailpass. Eine Woche zu spät. Ich hätte gerne jemanden gehabt, der mir in den Arsch tritt. Aber es half alles nichts, rauf geht's. Wenigstens wurde mit jedem Höhenmeter die Landschaft rauer und schöner. Das Beste: das Kuhglockengeläute, dass sich durch die Schlucht zur Linken zieht und kilometerweit zu vernehmen ist - so fährt man gerne: ruhig und im Einklang der Natur. Warum fahren wir sonst Fahrrad? Draußen? In der Natur? Sonst könnten wir auch einfach auf der Rolle unsere Kilometer spulen. Hier ein Blick auf die langen Geraden:

Bergauf: anstrengend, herausfordernd, ambivalent.
Bergab: geil, schell, schmal, gut einsehbar und: Ich will mehr!


Nach den letzten Kehren, die gut und gerne mal unter 10% fallen und zwischen sich auch mal erdreisten die 15% zu erreichen, erreicht man die Passhöhe. Zur Linken sah ich dann auch die Kühe friedlich am Hang weiden. Herrlicher Anblick. Weiter oben konnte man die Passhöhe des Stelvio sehen. Kurz fragte ich mich, ob ich sie vielleicht noch mitnehmen solle und dann runter fahren solle? Guter Witz. Zuerst oben das Foto des Schildes gemacht, dann ab in das dortige Wirtshaus, Refugium, was auch immer, in die Nähe des Kamins gesetzt und eine Cola bestellt. Das Wetter draußen wurde leider zunehmend schlechter. Wolken, Temperatursturz, leichter Fisselregen. War sehr angenehm in der Hütte...

Der Blick vom Umbrailpass auf die Passhöhe des Stilfserjochs - schöne Landschaft!
Irgendwann löste ich mich dann doch aus dem schönen, warmen Haus und fuhr herab (schöne Abfahrt - die langen Geraden sind echt toll!) und durch das Münstertal nach Prad. Fast durchgehend bergab. Die ersten 14 Kilometer mit einem Schnitt von fast 38, von Gurns nach Prato mit einem 30er Schnitt. In Prad juckelte ich dann noch ein wenig herum, auf der Suche nach einem Laden, der mir ein Fahrradschloss verkauft. Der Schuppen hier ist gut, aber... Vertrauen ist, Kontrolle besser. Übrigens: das Münstertal ist recht schön:


Das war die... "Innenstadt"? Von Müstair. Jedenfalls fährt man durch eine enge Gasse an den Gebäuden entlang. Und ja, dort gibt es auch schönere Gebäude als hier - bin leider erst am Ende der Gasse dazu gekommen, ein Foto zu machen, da ein Laster meine Aufmerksamkeit erforderte!
Kurz nach dem obigen Bild auf der Straße. Oder kurz davor. Bin mir nicht sicher... Jedenfalls gut ausgebaut, netter Asphalt und ein schöner Blick auf das noch schönere Vinschgau, zumindest, was die Sonne angeht. Bis ich da war, war die Sonne aber auch wieder weg...

Ich war sehr froh, endlich wieder im Hotel zu sein, die Beine waren... nicht mehr 1A. Im Ausdauerbereich war gut (mit einer gewissen Neigung der Straße), alles was in Richtung Kraftausdauer ging... Nicht so der Renner. Wird Zeit für Hanteltraining und Intervalltraining auf der Rolle.

Am Ende standen 119,7 Kilometer - 300 Meter mehr und ich hätte das Abzeichen von STRAVA für die Granfondo (VERDAMMT!) - 3.735 Höhenmeter und insgesamt 10 Stunden unterwegs, 7:34 davon in Bewegung. Aua. Vor allem der Durchschnittsspuls von 151 und die fast 4.000 verbrannten Kalorien. Aber ein super Tempotraining laut Strava! Und laut Polar auch, die mir dazu noch sagt, dass ich diese Tour Sonntag gegen 10:00 verarbeitet habe... Fühlt sich auch so an!

Fazit der Tour oder auch "tl;dr" genannt:
Stilfserjoch toll, aber nicht der Mythos. Beziehungsweise, der Mythosstatus ist das Problem: Sehr viele Autofahrer. Aber auch Momentaufnahme!
Ofenpass definitiv schön, einen Ausflug wert. Abfahrt schön, viele Gerade, guter Asphalt! Recht wenig los.
Umbrailpass: Herrlich! Schöne Landschaft, raue Gegend, aber auch sehr steil. Mein Geheimtipp und wenn ich jetzt die Wahl hätte: Lieber Umbrail als Stilfserjoch.

Wenn ich mich abgeregt habe, dann fahre ich das Stilfserjoch sicher noch mal. Bei der nächsten Gelegenheit. Es ist einfach eine geile Herausforderung, rein von den Werten her!

P.S.: Ups, der Bericht ist ausgeartet!